Montag, 7. Januar 2008

Postklimakterische Peinlichkeiten



Da grob geschätzt 99% der Leser des taz-Verschnittes Welt offenbar nicht wissen, dass auch Leute jenseits der Lebensmitte Sex haben, oder, weil sie unheilbar an Geschmacksverirrung leiden, nicht lieber Nacktschnecken beim Kopulieren zuschauen, schlug die Nachricht, dass der konservative und nebenbei auch noch katholische französische Staatspräsident seine neueste Zerstreuung mit auf Staatsbesuch nimmt, ein wie eine Bombe. Die Kommentarfunktion einer solchen Webseite ist wirklich nützlich, wenn man dem Volk mal so richtig aufs Maul schauen will. Nicht etwa, dass sich dort jemand aufregt, weil der Mann katholisch und eben zum zweiten Mal geschieden ist und schon wieder die Sau rauslässt oder weil der französische Staatspräsident während seiner offiziellen Mission nicht mit einer diskreten Profi-teuse zufrieden ist, sondern sein postklimakterisches Interesse am anderen Geschlecht auch noch von den Kameras der Weltpresse dokumentiert sehen möchte. (Die Illusion, von einer Frau ganz doll und wirklich um seiner selbst geliebt zu werden, muss was haben.) Aber nein, sie regen sich auf weil Saudi-Arabien, immerhin ein souveränes Land (so sehr man das auch, und zu recht, bedauern mag), diese prae-senile Turtelei nicht offiziell sanktionieren mochte. Jetzt wird es also dem Konto muslimischer Gräueltaten zugerechnet, wenn die inzwischen vom Skandal zum Normalfall avancierte unappetitliche Herumhurerei der westlichen Politiker in einem Einzelfall und kurzfristig unterbrochen werden muss.

Wir sollten es uns nicht ganz so einfach machen.

Und als ob das alles nicht genug der Heuchelei gewesen war, musste auch Brunis spätes Glück für den Fototermin herhalten. Das Kind versuchte brav, wie man es geheißen hatte, sein Gesichtchen zu verdecken. An sich nicht schlimm, dem Buben machte es offenbar Spaß und die Fotografen gerieten ganz aus dem Häuschen, naja und wenn dem Kind dann wirklich mal etwas zustoßen sollte - denn sein Gesicht sah man selbstverständlich zwischendurch auch unverdeckt - ohmeiohmei WERDEN die Chancen für photo-ops ins Gigantische steigen!

Bei der umtriebigen Oma konnte man das Kind vermutlich nicht lassen, die war nämlich damit beschäftigt, die Zukunft ihrer fast 40jährigen Tochter zu managen. Besorgt, dass Carla auch in Zukunft ihre Lieder zur Klampfe vortragen kann, setzte sie sofort die richtigen Schwerpunkte:

Sie habe dem Staatspräsidenten erklärt, dass Carla auch «als First Lady Frankreichs» und «trotz aller Verpflichtungen, die sie haben wird», Zeit für ihre künstlerische Arbeit brauche. Er sei «völlig einverstanden» gewesen.
Tja, und da wird ihm wohl auch nix anderes übrigbleiben, oder? "Pussywhipped" nennen die Engländer so etwas, aber da ja Kinder zufällig hierhin surfen könnten - übersetzen werden wir das nicht.

Jeder weiß inzwischen, was für ein Hurenbock der verstorbene JFK gewesen ist und die meisten wissen auch, wie schamlos die gute Jackie Schwiegervater Joe deswegen abgezockt hat, aber all das geschah zumindest diskret. Jack nahm seine Entspannungshelferinnen nicht mit auf Dienstreise und Jackie machte ansonsten gute Miene zum bösen Spiel, sie bekam es ja ordentlich bezahlt. Keine Kameras, kein Exhibitionismus, keine tränenreichen Geständnisse, jeder wusste, wo sein Platz war. DAS hatte Klasse!

Die Sarkozys, die sich in Stil und Form so gerne mit den Kennedys vergleichen ließen, haben, so scheint es, nicht begriffen, dass das öffentliche Zuschaustellen der eigenen Sexualität vulgär sein mag, unmoralisch und anti-sozial, aber vor allem eines: kleinbürgerlich.

Was kommt als nächstes? Der schicke Flotte Dreier mit Eva Herman, Bruni und Sarkozy, abgesegnet von Bischof Mixa und eine ganze schöne neue Interviewserie darüber auf kath.net?

Alles nur für die Familienwerte, selbstverständlich.