Montag, 24. März 2008

Virtuelle Geisterbahnfahrt

Daniel Pipes' neuester Weblogeintrag ist eine virtuelle Geisterbahnfahrt. Gezeigt werden die Fotos von Politikerinnen und anderen irgendwie prominenten Frauen, die bei dem Besuch in einem islamischen Land ein Kopftuch trugen. Es wird auf Pipes' Blog ausführlich diskutiert, ob diese Frauen Erwartungen bedienen, die seitens der Gastgeber eventuell nicht einmal vorhanden waren und ob sie ihr westliches Selbstverständnis von Religion und Staat zugunsten von vorauseilendem Gehorsam und politischer Korrektheit gegenüber dem Islam aufgegeben haben.


Unter ihnen war die Schweizer Bundesrätin Micheline Calmy-Rey (siehe oben), der offenbar niemand gesagt hatte, dass man sich am besten überhaupt nicht fotografieren lässt, wenn man wie die ältere Schwester von Gisela Uhlen aussieht.

Auch unsere Antje Vollmer ist ein Fall, bei dem man aus rein ästhetischen Gründen gegen eine Totalverhüllung kaum was haben könnte. So viel Selbstkritik konnte die Ex-Pfarrerin und promovierte evangelische Theologin aber dann doch nicht aufbringen: Während eines Staatsbesuchs in Saudi-Arabien zeigte die Grünen-Politikerin den unterdrückten Frauen dort mutig ihre Solidarität durch Tragen eines Kopftuchs und einer selbstgefälligen Miene, letzteres vermutlich weil eine Gelegenheit, sich dem Mann - wenn auch nur dem Mann als solchem - zu unterwerfen, eine lange nicht mehr, falls überhaupt je, gemachte Erfahrung für Antje war.

Weitere Beispiele von Pipes' Blog sind Hillary Clinton mit Tochter Chelsea und Nancy Pelosi, die Sprecherin des Amerikanischen Repräsentantenhauses (unten mit gespitztem Mündchen).

Anders als Daniel Pipes und die Mehrzahl seiner Kommentatoren, bin ich nicht der Ansicht, dass es sich hier um Fälle des Einknickens vor dem Islam handelt oder zumindest nur zum weitaus kleineren Teil darum.

Diese geballte Ladung Hohlheit scheint das Kopftuch zu tragen, weil es "schick" ist und tatsächlich kann ein Kopftuch oder Schal, so wie diese Frauen es tragen, sehr kleidsam sein. Es überspielt einen "bad hair day", bei einer schönen Frau lenkt es die Aufmerksamkeit auf das Gesicht und fort von weniger ansehnlichen Körperpartien, und einer hässlichen Frau vermag es, gesichtumspielend, eine Weichheit zu verleihen, die ihre Züge ohne Kopftuch nicht hätten. Um das zu wissen, brauchen wir allerdings nicht den Islam.

Man muss sich doch nur die selbstzufriedenen Mienen dieser Frauen anschauen, die förmlich ausschwitzen, wie "toll" sie sich finden. Sie tun was für die armen edlen Wilden und optisch schmeicheln tut es auch noch. Was will frau mehr? Ich halte es für möglich, dass denen der Unterwerfungsaspekt nicht einmal bewusst ist. (Nicht, dass das die Sache irgendwie weniger schlimm machen würde!)

Ist es Zufall, dass einige der größten Aufmerksamkeitshuren der jüngeren Mediengeschichte, hier Susanne Osthoff, Angelina Jolie und Prinzessin Diana, dem Kopftuch nicht widerstehen konnten? Susanne Osthoff, die Knallcharge, die für kurze Zeit zum Liebling der deutschen Hausfrauen aufsteigen konnte, weil sie ein Leben als Kara Ben Nemsi mit Brüsten der öden Pflicht vorzog, sich um ihr Kind zu kümmern und die sich so gerne in der Gesellschaft schwitzender, sand- und sonnengegerbter Männlichkeit abgebildet sah.

Jolie weckt bei mir immer den abartigen Wunsch, einmal nur und für kurze Zeit, ein Mann zu sein. Nein, nicht was Sie denken, sondern um ihr zumindest einmal sagen zu können: "Halt den Mund über Politik, geh in die Küche und hol mir ein kaltes Bier - BITCH!"

So wie es ist, bleibt mir als Frau nichts als Fremdscham.

Nicht zu vergessen die Mutter des zukünftigen Königs von England, die Attitüde, Stil und Geschmack einer ganzen Generation von Frauen und Mädchen versaut hat.

Man sollte diese Frauen nicht ernster nehmen, als sie es verdienen, aber man sollte auch nicht vergessen, welch' übles Vorbild sie abgeben und zwar nicht nur in politischen Dingen, sondern ganz einfach auch als Repräsentanten ihres Geschlechts. Ich weiß nicht, wo Dummtussen überhaupt etwas zu suchen haben, aber zu allerletzt in der Politik.

Ich habe nicht viel übrig für sozialdemokratische Politiker, aber man kann nicht deutlich genug darauf hinweisen, dass Angela Merkel, eine Frau, der jede Eitelkeit und jede großartige emanzipatorische Geste fremd ist, bei ihrem Staatsbesuch in mehreren islamischen Ländern 2007 kein Kopftuch trug, und das war kein Zufall.

Quod erat demonstrandum.



Großes Dankeschön an Gudrun Eussner!