Dienstag, 29. November 2011

Gewaltrelativierung

Ich hatte den Eintrag schon zum größeren Teil gelesen und wollte grade ein von Herzen kommendes "Bravo Broder" loslassen, da stieß ich auf den letzten Absatz:

Butterwegge selber ist ein armer Tropf, der sich mit seinen zahlreichen Auftritten im WDR ein kleines Zubrot verdient. Verantwortlich für das Programm des WDR ist die Intendantin. Und die soll jetzt mal erklären, wie ein gebührenfinanzierter öffentlich-rechtlicher Sender es mit der Gewalt hält.
Äh? Was? Armer Tropf? Zubrot? Der Mann ist C4- respektive W3-Professor. So arm wäre ich auch gerne. Komisch! Bei dem Stichwort Leute, die sich durch TV-Auftritte ein "kleines Zubrot" verdienen, würde mir spontan jemand anders einfallen.

Den Schmierlapp Butterwegge habe ich übrigens schon 2006 thematisiert. Es ist alles noch viel schlimmer.

Montag, 28. November 2011

Kurze Zusammenfassung der Wirtschaftsdebatte in linksliberalen Medien

1) Man muß den Kapitalismus reformieren.
2) Wir müssen nachhaltiger wirtschaften.
3) "Wachstum", auch wenn es nur dem Inflationsausgleich dient, brauchen wir nicht.

Sonntag, 27. November 2011

"Gut ausgebildete" Frauen gegen Stuttgart 21

Damit meint wohl die ZEIT die Tussis, die nach dem Abitur irgendein geisteswissenschaftliches Studium oder Lehramtsstudium anfangen, zum selbstständigen Denken häufig unfähig sind und nach ihrem Studium zu Wiedergabeautomaten der Lebensgefühlressentiments ihrer Studentenzeiten werden. Damit sind sie genau richtig ausgebildet, um in den Massenmedien, die man heute vielfach nur noch als erbärmlich bezeichnen kann, den Ton anzugeben.

Samstag, 26. November 2011

Verantwortungslosigkeit als höchstes politisches Prinzip

Anders kann man diesen Artikel kaum interpretieren.Link

Donnerstag, 24. November 2011

Alles eine Frage der Definition

Vielleicht sollte man den Begriff "Staatsterrorismus" auf die Palästinenser ausdehnen. Wer weiß. Vielleicht beschleunigt das ja die Staatsgründung.

Dienstag, 22. November 2011

Martinstag. Elf Sonette - Novembertag

Und hiermit schließt sich der Kreis. Denn heute werden die beiden letzten Gedichte der Sonettensammlung "Martinstag" online gestellt, nämlich "Novembertag" und "Was uns blieb". Viel Spaß bei der Lektüre!

* * *

Novembertag

Aus weißen Schleiern schält sich Strauch und Baum,
Krebsrot ihr Blätterwerk auf Herbst geflaggt,
Hingegen wiegt ein andrer Zweig sich nackt,
Auf dem sprießt zaghaft weicher Nebelflaum,

Der hält Oktoberfarben streng im Zaum
Und jedes Grün mit grauer Faust gepackt,
Kam heimlich über Nacht im feigen Akt
Und herrscht nun eisern über diesen Raum.

Es ist November, der den Vorhang fällt,
Dem weder Sonnenschein noch Lachen teuer;
Wer kann, begibt sich freudlos in Klausur.

Doch folgt November nur dem Lauf der Welt;
Er lodert weiß als kaltes Fegefeuer
Und waltet als Katharsis der Natur.

Martinstag. Elf Sonette - Was uns blieb

Was uns blieb

Was uns nach zweiter Feuersbrunst verblieb
Und danach unser Väter Fleiß vermehrt,
(Die wußten, daß ihr Streben Glück beschert
Und daß die Arbeit jeden Gram vertrieb),

Das sah in eitler Macht den dreisten Dieb,
Das ist nicht feist mehr, sondern ausgezehrt;
Denn jüngst ist billig, was dereinst verkehrt,
Die schnöde Gier besiegte das Prinzip,

Mit dem der Bauer seine Aussaat plante;
Indes der Städter wurde leicht verführt,
Für ein paar Linsen gab er sich als Pfand;

Wo doch das Schicksal manches Schuldners mahnte …
Denn wenn des Geldes Wert die Null berührt,
Kauft schweres Tafelsilber feilen Tand.


Montag, 21. November 2011

Martinstag. Elf Sonette - Ihr Erbe

Ihr Erbe

„Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ –
Darüber lachen wir doch heute laut,
Wir sind des Maos größte Fans gewesen
Und so mit freiem Denken wohlvertraut,

Der DDR, den Sowjets, Rotchinesen,
Wir haben denen Frieden abgeschaut,
Betroffen unsre Pausewang gelesen
Und sahen schon Atomkraft abgebaut,

Wir finden Joschka und Guevara prima
Und wählen Grüne wegen Fukushima,
Das Klima retten wir allein in Rio,

Gesetzt, wir kaufen, dann nur fair und bio,
Umschwärmen ungeniert Barack Obama
Und trauern unverstanden um Osama.

Martinstag. Elf Sonette - Soziale Zeiten

Soziale Zeiten

Wir leben wirklich in sozialen Zeiten,
In denen Mittelmaß als Maßstab gilt,
In wunderbar politkorrekten Breiten,
Wo man allein den freien Bürger schilt;

Ja, plagen den etwa Befindlichkeiten?
Ist der zum Steuerzahlen nicht gewillt?
Gelt, Vater Staat, der hat Verbindlichkeiten,
Die Wünsche vieler sind noch ungestillt.

Die Taschen auf, willst doch nicht kleinlich sein,
Was früher Dein war, Spießer, ist jetzt mein,
Ist Dein Pech, daß Du nicht mit Rauschgift dealst,

Ich seh doch, wie Du zu mir ‘rüberschielst,
Weil Medien, Kirchen, Politik
Parteiisch sind in dieser Republik.

In Memoriam FJD

Vielleicht das Beste von dem versoff'nen Chronisten:

Deine Schwestern, Tante T´hrese,
waren sämtlich hübsch und grad.
Du warst dafür der Tribut, an
die Dämonenwelt gezahlt.
Dich mit deinen Flammenhaaren,
deinem Feuermal am Kinn,
den unendlich großen Füßen,
nahmen sie als Fügung hin.

Hocktest meistens in der Küche,
hast die Mahlzeiten gemacht.
Und du spültest ihre Schüsseln
während ihrer Hochzeitsnacht.
Du saß´t stundenlang an Wiegen,
summtest, horchtest auf den Wind
und warst glücklich, wenn sie sagten,
diesmal wäre es dein Kind.

Man ertrug dich, ließ dich leben,
durftest auch vor Türe gehen.
Selbst den Tick an Fronleichnam
haben sie dir fast verziehn.-
War das ehrlich oder Rache,
wenn du die Gardine nahmst,
sie um Kopf und Schultern legtest,
so zur Prozession rauskamst?

Ob man dich auch schlug und einschloss,
spätestens an der Station
in Doktor Strathmanns Blumengarten
knietest du, wenn wir kamen, schon.
Sangst voll Inbrunst Litaneien
oder auch ein Weihnachtslied.
Alle lachten. Doch der Pfarrer
kam zu dir und sang laut mit.

Ja, Tante T´hrese, deine Schwestern
sind nicht mehr auf dieser Welt,
ihre Kinder, kühl und freundlich,
zahlen jetzt dein Pflegegeld.
Deren Kinder nämlich - heisst es -
hätten vor dir große Angst,
vor dir, die du allen Kindern
nachts die Angst nahmst, wenn du sangst.

Auch der Pfarrer ist nicht weise,
so wie es der alte war.
An Fronleichnam treten leise
dicke Männer zum Altar
in Doktor Strathmanns Blumengarten,
drehen dich ganz sanft herum
und bringen dich in der Gardine
zurück ins Sanatorium.

Ja, Tante T´hrese, ist schon richtig:
Früher, das ist lange her.
Wie du aussiehst - die Gardine -,
das darf heute keiner mehr.
Ja, ja, auch der Schnee ist anders,
nicht so weiß wie früher mal.
Herr erlöse dich und andre
hier aus diesem Jammertal.

Sonntag, 20. November 2011

Großer Gott, wir loben dich

Und zum Ausklang des alten Kirchenjahrs eine besonders schöne Version des Kirchenlieds "Großer Gott, wir loben dich" (GL 257, EG 331):

Martinstag. Elf Sonette - Die unendliche Geschichte

Die unendliche Geschichte
(nach Ravi Batra)

Die Menschheit dreht sich unentwegt im Kreise.
Am Anfang steht des strengen Kriegers Stahl,
Drauf folgt das priesterliche Ideal,
Geschätzt sind nun der Dichter und der Weise.

Als drittes geht der Kaufmann auf die Reise,
Es zählen Zinsen, Geld und Kapital,
Manch Frommem dünkt der Zeitgeist nun banal,
Doch unser Wohlstand wächst auf brave Weise.

Zuletzt als viertes ist der Knecht Regent,
Erklärt den Augenblick zur Ewigkeit
Und setzt den Hofnarrn grölend auf den Thron.

Doch murrt, wen er die Untertanten nennt;
Dann stürzt die Macht, um die der Schalk gefreit,
Wird einer neuen Kriegerkaste Lohn.

Martinstag. Elf Sonette - Auch ohne Leninbärtchen

Auch ohne Leninbärtchen

Ob grün, ob rot, den Marx- und Engels-Kult
Pflegt Ihr bei edlen Trüffeln, Wein und Brasse
Im Schatten der toskanischen Terrasse
Und denkt: Ein voller Bauch kennt keine Schuld.

Uns zu erziehen, habt Ihr viel Geduld,
Denn freie Bürger sind Euch nichts als Masse,
Dabei genießt Ihr Eure Extraklasse
Und predigt salbungsvoll am Pult.

Das Volk darf schauen: Ihr im Talkshowsessel
Pariert die ewig gleich banalen Fragen
Mit Instantphrasen vom Vokabelkärtchen;

Nach außen nur wirkt dies als Hexenkessel,
Wo sich doch Gaukler nach der Show vertragen;
Karl Marx im Kopf, auch ohne Leninbärtchen.

Franz Josef Degenhardt redux

Danke Feuervogel! Ich würde sogar noch weiter gehen. Er war einer der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts. Ich habe ihn 1970 in der Westfalenhalle erlebt, und in seiner Version von El Condor Pasa meinte er äußern zu müssen, dass im Befreiungskampf halt auch mal "Krethi und Spreti" daran glauben. Kurz vorher war der Deutsche Botschafter in Guatemala, Karl Graf von Spreti, entführt und ermordet worden. Die unglaubliche Rohheit und der Zynismus dieser Aussage haben mir FJD dann fürderhin verleidet.

Aber, wie gesagt, als Lyriker konnte er mit den besten mithalten.

Dienstag, 15. November 2011

Franz Josef Degenhardt tot

Einer der talentiertesten Liedermacher der Nachkriegszeit ist also gestorben. Über seine politischen Aussagen werde ich an der Stelle schweigen. De mortibus nihil nisi bene.

Montag, 14. November 2011

Martinstag. Elf Sonette - Nach der Wende

Nach der Wende

Das zwanzigste Jahrhundert war sehr kurz;
Europa lag nach roten Feuergarben
Zerfurcht von Weltkriegsgräben wie von Narben;
So jäh das Ende eitlen Himmelsspurts.

Wie oft, so folgte hier auf Hybris Sturz,
Auf Träume Trümmerfeld in dunkeln Farben,
Den Osten ließ Genosse Stalin darben,
Wie viele Skalpe trug wohl der am Schurz …

So plötzlich ging der Kalte Krieg zu Ende,
Und unerwartet, ohne Blutvergießen,
Weht auf erstürmten Zinnen Schwarz-Rot-Gold.

Doch sehn wir zwei Jahrzehnte nach der Wende,
Wie Kommissare ihre Macht genießen;
Die Demokraten werden überrollt.

Martinstag. Elf Sonette - Den Mauertoten

Den Mauertoten

Schweigt still, Ihr feigen Intellektuellen!
Zu Ulbrichts Zeiten schwiegt Ihr, drum auch jetzt,
Wer Eure Schriften liest, der ist entsetzt
Ob Eurer Utopien, die blutrot quellen;

Am Todesstreifen Schützen, Hundebellen,
Wer ‚rübermacht‘, wird gnadenlos gehetzt,
So mancher Flüchtling hat sich hier verschätzt,
Doch hörte niemand seine Schreie gellen,

Der christlich sich des Flüchtenden erbarmt.
Erst recht nicht Ihr! Die Diktatur bejubelnd
Und lebtet doch im Westen schön gediegen,

Tantiemen überreich, im Geist verarmt,
So schnöd‘ den deutschen Geistesschatz verjubelnd,
Die Mauertoten habt Ihr totgeschwiegen.

Samstag, 12. November 2011

Nicht mit Kapitalisten kuscheln

So FAZ. Da sei erwidert: Sich nicht an verzogenen Gören vergehen.

Freitag, 11. November 2011

Martinstag. Elf Sonette - Novemberland

Sehr verehrte Leser,

heute, am Martinstag, den 11.11.11, erscheinen die ersten drei Gedichte aus „Martinstag. Elf Sonette“, nämlich „Novemberland“, „Martinstag“ und „Klio“. Die restlichen Gedichte folgen in den nächsten Tagen. Viel Spaß bei der Lektüre!


Novemberland


Gewiß, Herr Grass, ist dies Novemberland,
In Flensburg springen keine Antilopen,
Und Kokosnüsse wachsen in den Tropen,
Bei uns weht kalter Wind am Sommerstrand.

Trotz Goethe, Schiller, Gryphius und Kant
Siehst du, wohin du siehst, nur Misanthropen
In ökologisch-linken Biotopen,
Die finanziert die öffentliche Hand.

Lag deren Paradies einst fern des Grenzwalls,
Dort wurden Marx und Engels memoriert
Und dialektisch deren Stuß verbreitet.

Als unser Volk vereint nach jenem Grenzfall,
Da zeigten Utopisten sich pikiert,
Die Euch der Mauerfall Verdruß bereitet.

Martinstag. Elf Sonette - Martinstag

Martinstag

Die eine Episode ist bekannt
Aus Martins Leben, als er vor dem Tor
Den Bettler sah, der unbeachtet fror,
Mit einem Hieb durchschnitt er sein Gewand

Und gab die Hälfte jenem in die Hand;
Der Pöbel aber höhnte: Welch ein Tor!
Sankt Martin übersah den Spötterchor;
Roms Uniform, doch Gottes Leutenant.

Auf Reisen nahmen Räuber ihn gefangen,
Für Gold nur würden sie sein Leben schonen,
Aus Martins Mund jedoch kam keine Klage,

Den Tod vor Augen, kannte er kein Bangen,
Denn er ließ Ihn in seinem Herzen wohnen
Und lehrte sie Sein Wort am selben Tage.

Martinstag. Elf Sonette - Klio

Klio

Was ist mit Einsicht, Anstand, Ehrlichkeit ...
Geschaßte Worte, die im Kerker schmachten,
Einst ließen Schurken sich damit entmachten,
Heut sucht das freie Wort die Einsamkeit.

Auch störte Klio unsre Eitelkeit,
So daß wir sie als Opfer brachten,
Und unsre Weisesten der Weisen dachten,
Das Heute sei vom Gestern nun befreit.

Da Klios Mahnen unerhört geblieben,
Sind wir dazu verdammt, - Ihr kennt den Rest ...
Dann reimt sich unbeholfen die Geschichte;

Doch sind wir Menschen unerhört durchtrieben,
Und jede Jugend wütet im Protest -
Da helfen weder Mahnen noch Gedichte.